Die eindeutige Identifikation eines Flugzeugwracks kann aus verschiedenen Gründen manchmal etwas schwierig und zeitaufwendig sein:

  • In den meisten Fällen sind nur noch wenige und schlecht erhaltene Teile des Flugzeugs erhalten.
  • Viele Flugzeuge, vor allem die des zweiten Weltkriegs sind „Massenware“, oft wurden hier hunderte oder tausende desselben Typs produziert.
  • Besonders bei Abstürzen über dem Meer gibt es in den seltensten Fällen halbwegs genaue Angaben zum Ort des Absturzes.
  • Die Bergung von Flugzeugteilen zur weiteren, detaillierten Untersuchung erfordert eine Genehmigung durch die zuständigen Behörden.

 

Aus diesen Gründen steht vor allem in der ersten Phase nach Entdeckung oder Untersuchung eines Flugzeugwracks die genaue Dokumentation aller sichtbaren Teile im Vordergrund. Hier arbeitet man meist gegen die Zeit. Wracks, die über 60 Jahre optisch noch relativ gut erhalten geblieben sind, verfallen oft sehr schnell durch die fortschreitende Korrosion und andere Einwirkungen. Eine eindeutige Identifikation des Wracks und damit die Identität und das Schicksal der evtl. bis heute vermissten Besatzung ist dann nicht mehr möglich. Mit detaillierten Photos kann man aber oft noch Jahrzehnte später, wenn das Wrack schon längst verfallen, geborgen oder in Einzelteilen über die Taucherwelt verteilt ist, anhand der sichtbaren technischen Besonderheiten und Merkmale das Flugzeug identifizieren.

Am besten sind detaillierte, hochaufgelöste Photo- oder Videoaufnahmen des gesamten Wracks sowie Einzelaufnahmen aller Teile. Oft merkt man erst viel später beim Sichten und Abgleichen der technischen Unterlagen, welche Teile und Details wirklich interessant sind, welche Merkmale zur Bestimmung und vor allem Differenzierung zu anderen Baumustern entscheidend sind.

Hilfreich bei der Identifizierung eines Flugzeug Wracks ist ein  gewisses technisches Verständnis, Zeitressourcen, Glück und vor allem der Zugang zu den verschiedenen benötigten Informationen wie technische Dokumentationen, Zeitzeugenberichte, Literatur und Archivmaterial wie militärische Verlustlisten. Eine (aus Zeitgründen unvollständige) Übersicht der verschiedenen Sammlungen und Archivmaterial findet sich hier im Bereich Media.

Beispiel von einem Identifizierungsmerkmal bei den Wrackteilen einer Messerschmitt Bf109 in Südfrankreich:
Dieses Wrack, bzw. der Rest einer Messerschmitt BF109 war schon lange bei lokalen Tauchern bekannt, wurde jedoch nie eindeutig identifiziert. Da in diesem Seegebiet mehrere Flugzeuge dieses Flugzeugmusters als vermisst gelten, ging es um die Bestimmung der genauen Version. 

Auf dem Photo des Rumpfsegments erkennt man eine runde Öffnung, die auch bei der technischen Beschreibung  des „Bf 109 F“  Modells zu sehen ist. (3)

 

 

 

 

 

 

 

Bei der Zeichnung des entsprechenden Rumpfsegemnents einer „Bf 109 G“ ist diese Öffnung nicht vorhanden. Anhand dieses Details, anderer Merkmale und Recherchen konnten wir fast 70 Jahre nach dem Absturz das Flugzeug identifizieren. Mehr zur Geschichte der „Messerschmitt der Ile de Bagaud“.

 

 

 

 

 

 

Beispiel von einem Identifizierungsmerkmal bei einer Zündkerze des Motors einer Messerschmitt Bf109 in Südfrankreich:
Von diesem Wrack war nur noch der Motor erhalten. Ziel war die Bestimmung des ungefähren Absturzzeitraumes.

Zur genaueren Untersuchung haben wir eine Bergungsgenehmigung für den Motor beantragt und diese nach einiger Zeit auch erhalten. Anhand eines eingeschlagenen Produktionscodes auf einer der Zündkerzen konnten wir das Produktionsdatum bestimmen, und so eine Zeitfenster für den Absturz weiter eingrenzen. Mehr zur den Forschungen und der Geschichte dieser Messerschmitt findet sich auf diesen Internetseiten.

 

 

 

 

 


Andere Beispiele von Identifizierungsmerkmalen
Das definitiv beste und eindeutigste Identifizierungsmerkmal ist die Serien- bzw. Werksnummer der Flugzeugs. Diese ist je nach Flugzeugtyp auf einer Plakette angebracht, an bestimmten Stellen eingeschlagen oder aufgemalt worden. Mit dieser Nummer kann man das Flugzeug eindeutig einem Verlust zuordnen. In den meisten Fällen ist es aber leider bei Wracks im Meerwasser heute nicht mehr möglich, diese Nummer zu finden und zu bestimmen.

Hier findet sich diese Nummer auf den Munitionskisten einer in den 90er Jahren aus dem Mittelmeer geborgenen Ju 87, die sich heute in einem Museum in Deutschland befindet. Mehr zu diesem Flugzeug und seiner Geschichte findet sich bald hier.